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Held. Lady. Mops

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Beschreibung

Rudolf Slatin alias Slatin Pascha, 1857 geboren, war ein altösterreichischer Abenteurer böhmisch-jüdischer Herkunft, bereits mit 24 Jahren britischer Gouverneur der sudanesischen Provinz Darfur; bald danach in den Mahdi-Kriegen gefangengenommen; die folgenden elf Jahre verbrachte er als Sklave bei Mahdi-Nachfolger Khalifa Abdullahi. Nach seiner Flucht schrieb er, auf Wunsch seiner britischen Fluchthelfer, über die Gefangenschaft den propagandageeigneten Bestseller „Feuer und Schwert im Sudan“.

Birgit Schwaner benutzt und „poetisiert“ Momente aus der Biografie des historischen Slatin, um damit zu improvisieren – keine Erzählung im klassisch-linearen Sinn, eher ein Wirbel aus Ereignissen, disperaten Einfällen, Motiv-Verästelungen wie Gedankensprüngen – initiiert von der Lust an Assonanzen und Assoziationen, Wortklang und -rhythmus, am ironischen Spiel mit und am Brechen von Klischees – etwa solcher aus dem Repertoire der kolonialistischen Abenteuererzählung. So wird dem siebzehnjährigen Noch-nicht-Helden eine Lady P. zugesellt, die es in die Wüste zieht, und dieser ein Mops, der im Meer versinkt. Ein Autorinnen-Ich meldet sich ständig zu Wort; ein schwarzer Missionar ist sporadisch zur Stelle und der Protagonist schon sehr bald gespalten bzw. vervierfacht: Treffen Sie Kratin, Platin und Schlatin, die als parodistischer Chor in der Gegend herumlungern und auf der Fähre nach Alexandria das Ende ihrer Namen verlieren; denn als Slatin beinah ertrinkt, gerät das Anhängsel „in“ ins „Außersicht“ und geht verloren im Meer – oder in der Sprache, die als „veritable Meeresmaschine“ auch abrupte Wendungen generiert; so, wie sonst Illusio- nen – etwa der, dass „Ich“ eine Einheit sei und Biografie nicht vor allem Erzählung. Fragment, Palimpsest. Improvisation.

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