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Beschreibung

„Angeregt von den Dérive-Experimenten der Situationisten, die der von den Verheerungen des Kapitalismus und einer „autogerechten“ Verkehrsplanung gezeichneten modernen Stadt ihre bewußt subjektive Aneignung des Stadtraums entgegensetzten, durchstreife ich „Deutschlands größte Stadt“, die eigentlich keine ist – oder ein Patchwork aus vielen. Das mag absurd erscheinen, zumal das Ruhrgebiet zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus „automobilen Zonen“ besteht, die in der Regel durchfahren werden und nicht durchwandert. Dennoch scheint mir das Gehen die einzige Möglichkeit zu sein, eine Stadt wirklich zu lesen; die Verwandlung meiner Lektüre der Stadtlandschaft in Text visierend, erwandere ich Stadtteile und Peripherien, Dortmund-Mengede oder Hagen- Haspe, Duisburg-Rheinhausen, Bottrop-Kirchhellen usf., ohne Ziel und ohne genauen Plan, intuitiv den „Verlockungen des Terrains“ (Guy Debord) folgend, Atmo- sphären nachspürend, die Stadtlandschaft psychogeographisch kartographierend“ (Florian Neuner)

Die Konstruktion des Textes folgt der polyzentralen urbanen Struktur des Ruhrgebiets und setzt patchworkartig Fragmente gegeneinander. Dabei steht eine Betrachtung der Oberflächen, eine Art Phänomenologie des gegenwärtigen Stadtraums, neben historischen Tiefenbohrungen. Die Texte an der visuellen Oberfläche der Stadt fließen ein in die mit „Dérive“ überschriebenen Abschnitte. Die Lektüre geht weiter und wendet sich auch den „verborgenen Texten“ (Michel Butor) in den Bibliotheken und Archiven zu. Auf dieser Grundlage schreibt Neuner Texte, die historische Ereignisse beleuchten oder Hintergründe erforschen. Trotz dieser quasi wissenschaftlichen Recherche bleibt sein Blick subjektiv. Er interessiert sich nicht unbedingt für Fußball, aber für die Arbeit eines in Duisburg lebenden Komponisten. In dem Kapitel über den Werner Hellweg im Bochumer Osten gibt die Wahrnehmung der gegenwärtigen Straße, Aufschriften, Meldungen in Lokalzeitungen, Gesprächsfetzen in Kneipen etc. Anlass, nach der Bergbaugeschichte in diesem Stadtteil zu fragen, aber auch nach dem historischen Hellweg.

RUHR. 2010. KULTURHAUPTSTADT EUROPAS. Eine Ruhrtext-Collage als Plädoyer für eine subjektive Aneignung und Rückeroberung der von Verkehr, Industrie und modernem Wohnbau geschundenen Stadt.

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