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Tagebuch des inneren Schreckens

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Inhalt

Beschreibung

„Hirnstromprotokoll“ nannte Hermes Phettberg eine seiner theatralen Aktionen. Dieser an den „Bewusstseinsstrom“ der literarischen Moderne angelehnte Begriff könnte auch als poetologisches Postulat seiner „Predigtdienste“ fungieren – jener Schreibarbeit, die der Schauspieler, Talk-Master, Underground-Theologe und schwule Sadomasochist 1992 in der Wiener Wochenzeitung „Falter“ aufnahm. Scheinbar absichtslos entstand dabei ein literarisch und thematisch außergewöhnliches „Tagebuch des inneren Schreckens“: kein bloßes biographisches Dokument eines zu sich selbst verurteilten Außen­seiters, sondern ein schillerndes Panoptikum einer hochsensiblen, abgründigen Seele. Die essayistischen Annäherungen an den monströsen Assoziationsstrom versuchen die manifesten und potenziellen Beziehungen der „Predigtdienste“ zu grundlegenden Schreibweisen (post)moderner Subjektivität freizulegen. Die Literarizität der Predigtdienste zeigt sich nicht zuletzt in ihrer konsequenten Vorläufigkeit, ihrem provozierend bewussten Verzicht auf eine „klassische“ Form. Phettberg erschafft in seinem nie enden wollenden Schreiben eine Sprache des Werdens und schließt darin nicht nur an außergewöhnliche literarische Techniken des 20. Jahrhunderts an (James Joyce’ „stream of consciousness“, Marcel Prousts „unwillkürliche Erinnerung“, Ernst Jandls „heruntergekommene Sprache“, Josef Winklers blasphemische Prosa), sondern entwickelt en passant eine sehr persönliche Sprache der Depression, der „Erschöpfung des Selbst“. In diesem Punkt geraten die Predigtdienste über den privatimen Kosmos hinaus zu einem seismographischen Protokoll „verworfenen Lebens“ in der Konkurrenzgesellschaft.

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